Flussreise von Saarbrücken nach Münster

 


 Da habe ich Schwein gehabt: ich habe einen Brief bekommen mit einem Last-Minute-Angebot für einer Flussfahrt. Und so habe ich den "Thurgau-Travel" geholfen ein noch leeres Zimmer zu füllen, wobei mir der Einzelzimmerzuschlag erlassen wurde.

Mittwoch, 9. Oktober: Mit dem Bus nach Saarbrücken


Dies war das Ziel des Tages. Aber erst hiess es: Ab auf die Strasse. Beim Bahnhof Basel, an der nicht übertrieben schönen Ecke, wo auch der Flixbus hält, wurden die Schweizer Teilnehmer der Reise in einen Reisebus verfrachtet. Mit diesem fuhren wir auf der Autobahn durchs Elsass und durch Lothringen. Dann noch ein paar Kilometer über die deutsche Grenze nach Saarbrücken.
Auf dem Schiff trafen wir auf die Deutsche Reisegruppe, die mit dem Abendessen auf uns warten mussten. Und dieses war, nebst einer Kurzinfo, bereits der wichtigste Punkt der Einschiffung:

Aus was die Vorspeise (oben) bestand, weiss ich nicht mehr, aber es schmeckte gut. So musste an diesem Abend niemand hungrig ins Bett ... auch an den Folgetagen nicht.

Donnerstag, 10. Oktober 2024: Saarbrücken und Abfahrt

Saarbrücken ist bekanntlich die Hauptstadt der kleinsten deutschen Bundeslandes, wenn man die drei Stadtstaaten beiseite lässt, des Saarlandes. Beide haben den Namen natürlich vom Fluss: der Saar.

Die Saar ist nicht immer so braun, aber wir hatten in den letzten Tagen viel Regen und alle Flüsse waren aufgewühlt und hatten hohe Pegel. Die zentralen Stadtteile von Saarbrücken sind Alt-Saarbrücken (links der Saar, aber rechts auf dem Bild) und St. Johann, gleich gegenüber. Letzterer hat mir gut gefallen, wegen seiner hübschen Altstadt und seines pompösen Rathauses.
Auch pompös ist die Ludwigskirche auf der Saarbrücker Seite. Der letzte Fürst vor der franz. Revolution namens Ludwig liess sie erstellen und da er denselben Namen wie der König Frankreichs hatte, konnte er damit auch seinem Herrn schmeicheln, denn hier herrschte damals Frankreich.
Rund um die Kirche, die leider teilweise eingerüstet war, stehen weisse Palais, die Beamten und Kirchenleuten als Heim dienten. Einer angeblich auch der Mätresse des Fürsten.
Hier noch ein paar weitere Eindrücke:

Gleich an der Saar fand ich eine Fassadenruine, die als Brunnen dient. Während auf der einen Seite des Flusses die Enten watscheln, fährt auf der anderen Seite der Durchgangsverkehr über die Stadtautobahn. Beim oben genannten Rathaus steht eine Skulptur, die den Besucher willkommen heisst und eine QR-Code mit Stadtinfos anbietet.
Nach geführtem und individuellem Stadtrundgang war wieder Termin auf dem Schiff - zum verschobenen Willkommens-Apéro. Bei diesem legten wir auch ab, denn wir sollten noch vor dem Eindunkeln die berühmte Saarschleife durchfahren. Von dieser gibt es leider kein spektakuläres Bild, denn dazu hätte ich in die Luft gehen sollen.

Freitag, 11. Oktober 2024: Trier

 Ueber Nacht lagen wir in Mettlach, gleich bei der berühmten Porzellanmanufaktur. Ein Abendspaziergang im Städtchen wäre möglich gewesen, ich hatte aber keine Lust darauf.
Am nächsten Morgen ging es nach Trier. Da die Anlegestellen in Trier wegen Hochwasser nicht benutzbar waren, legten wir im Nachbarort Konz an, wo uns der Bus für die Stadtrundfahrt abholte.


Wer in Trier ist, muss natürlich die Porta Nigra anschauen und fotografieren. Das Bauwerk aus dem zweiten Jahrhundert war ursprünglich schön hell. Erst die Verwitterung machten es dunkel, so dass im Mittelalter der heutige Name entstand. 

Auf dem Marktplatz steht ein Brunnen mit dem Petrus als Brunnenfigur. Dieser trägt zwei Schlüssel: Einen goldenen für das Himmelstor und einen silbernen für die Tore der Stadt. Die Legende sagt, dass Petrus, wenn alles schläft, vom Brunnen herunter steigt und den silbernen Schlüssel nutzt, um in einen der vielen Weinkeller einzudringen und dort seinen Durst zu löschen.
Das Bild oben rechts zeigt das Judentor. Dahinter waren die Häuser der Juden und in finsteren Zeiten wurde dieses Tor nachts verschlossen. Jude und trotzdem Antisemit war Karl Marx, der in Trier geboren war. Der Dom, so mächtig er ist, ist wegen seiner Grösse nur im Modell ganz zu fotografieren.
Dass Trier nahe bei Luxemburg liegt, war bei der Anlegestelle in Konz zu sehen. Neben diesem war ein Möbelgeschäft (Möbel Martin!), vor welchen etliche Autos mit Luxemburger Kennzeichen standen.

Samstag, 12. Oktober 2024: Bernkastel



Bernkastel? Noch nie gehört. Aber ich bin ja auch kein Weinkenner. Diese aber sollten den Ort kennen, denn hier wird der berühmte Doktorwein hergestellt. Dieser Name geht auf eine Geschichte zurück, dass einst ein kranker Fürst hier Halt gemacht hat und nach Genuss dieses Weines wieder gesund wurde.
Passenderweise liess der Stadtführer uns nicht nur den Wein probieren, sondern tat dies auch in der Kleidung eines Doktors des 14. Jahrhunderts.

Das Städtchen hat einen beeindruckenden Marktplatz und etwas mit einer Stadt ohne "kastel" gemeinsam: den Bären als Wappentier. Und schliesslich gibt es auch noch die Burg, auf der genannte Geschichte spielte und von wo aus, obiges Panorama zu sehen ist.

 

Sonntag, 13. Oktober: Koblenz

 Als ich frühmorgens erwachte, lag das Schiff still. Ich schaute aus dem Fenster, es war dunkel, und dann fuhr das Schiff wieder los. Kurz darauf sah ich, dass wir in einen grösseren Fluss einbogen: den Rhein. Wir kamen also in Koblenz an und wer Koblenz sagt, denkt an das deutsche Eck, dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel mit dem Denkmal des ersten deutschen Kaisers, Wilhelm I.


In Koblenz hatten wir die originellste Führung. Die Stadtführerin stellte sich als Marktfrau Lisbeth vor und hatte zu allem, was sie uns zeigte, eine Geschichte zu erzählen.

Eine davon ist die des Schängels, des spuckenden Jungen, der auch ein Wahrzeichen der Stadt ist. Er steht für die aufmüpfige Koblenzer Jugend, die sich angeblich nichts gefallen lässt. Der Begriff "Schängel" geht auf "Schang" zurück, was eine Verdeutschung von "Jean" ist. Die Schängel sind somit Kinder, die während der Besetzung durch französische Truppen rund um 1800 entstanden sind. Der Schängelbrunnen steht im Hof des Rathauses.
Der Brunnen oben links, das Mädchen mit den Enten, steht in der Einkaufsstrasse, die tatsächlich "Entenpfuhl" heisst. Das Haus mit den Max-und-Moritz-Bildern steht beim Münzmarkt und unten rechts, die Marktgrau Lisbeth vor einer Madonna in einer kleinen Gasse am Rhein. 
Hier, wie fast überall, war nur wenig Zeit für individuelle Exkursionen, denn wir mussten am Abend in Köln sein. Dort gönnte ich mir dafür einen Schlummertrunk an Land: ein Kölsch.

Montag, 14. Oktober 2024: Düsseldorf

 Das war wohl der "schlechteste" Tag. Die Fahrt von Köln nach Düsseldorf war eher langweilig und die Kälte machte den Aufenthalt auf dem Sonnendeck (von Sonne war natürlich keine Rede) recht unangenehm. Trotzdem freuten wir uns auf den nächsten Ausflug, als sich diese Skyline zeigte:

Die Aufhellung hielt leider nicht lange. Immer hin war die Stadtrundfahrt und ein kurzer Gang durch die Altstadt noch trocken möglich. Endpunkt der Führung war die Narrenskulptur. Eine Art Till Eulenspiegel sitzt auf Büchern und einem Turm aus Köpfen, die allerlei Gutes und Schlechtes symbolisieren.

Gleich um die Ecke konnte ich noch meine persönliche Mission erfüllen: Ein Altbier bei dem "Uerige". Dort haben W., J. und ich 1997 diesem ordentlich gefrönt. Schliesslich ging ich auch noch durch das Gässchen, wo ich 2001 mit A. gegessen habe. Das was die Figur an der Wand dort machte, konnten wir leider nicht. Dieser dritte Besuch in Düsseldorf wird mir leider nicht in guter Erinnerung bleiben.
Auch die nächste Nacht machten wir durch. D.h. die Schiffsmannschaft, nicht die Passagiere.

Dienstag, 15. Oktober 2024: Münster

 

Die Uhr im Dom von Münster zeigt nicht nur die Zeit, den Tierkreis und den Gang von Sonne, Mond und Planeten - Sie hat auch eine Datumsscheibe (unten dran, leider nicht auf dem Bild). Und diese zeigte, wie auch mein Handy, dass dies der letzte Tag vor dem Ende der Reise war.
Münster ist Bischofssitz und hat darum einen Dom und in der Stadt hat es auch eine imposante Stadtkirche. Ein Münster hingegen gibt es keines. Dieser Begriff wird eher im südlichen Teil des deutschen Sprachraumes verwendet. 

Die (rekonstruierten) Häuser der Altstadt erinnern an die Zeit, als Münster Teil der Hanse war. Die Boutiquendichte verrät, dass Münster auch heute noch zu den wohlhabenden Städten gehört. Und es ist auch eine junge Stadt mit 60'000 Studenten in einer Region mit 300'000 Einwohnern. Flach ist die Gegend auch und somit eine Fahrradregion, was man als Fussgänger gelegentlich auch erschrocken feststellt. 
Die Sonne lachte über Münster und uns lachte sie wohl aus. Ausser in Bernkastel hatte sie sich nur hier an diesem letzten Tag gezeigt.

Mittwoch, 16. Oktober 2024: Heimreise und Fazit

 

Was bleibt von der Reise in Erinnerung, ausser die feine Küche und das prachtvolle Zvieribuffet? (Dieses gibt es zum Glück nur einmal pro Reise.)
Ich habe einige neue Gegenden und Städte kennengelernt. Teile von Deutschland, die ich bestenfalls aus dem Fernsehen kenne. Nach zwei Flussfahrten kurz hintereinander, möchte ich lieber wieder einmal Ferien an Land stationär verbringen.

 

 

 

 

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