Dienstag, 31. August 2010

Plädoyer für die Sockinsandalisten

Die religiöse Toleranz ist in aller Munde. Es gibt jedoch eine religiöse Minderheit, die aller schönen Reden zum Trotz, noch immer dem unverhohlenen Spott der Oeffentlichkeit ausgesetzt ist. Es geht um die Sockinsandalisten, vorwiegend Männer, denen ihr Glaube es ihnen verbietet, ihre Füsse vor den Augen Fremder zu entblössen. Was in der kalten Jahreszeit nicht weiter auffällt, wird im Sommer zum Gesprächsthema, denn die streng Gläubigen wollen nicht darauf verzichten wie alle anderen Sandalen zu tragen, verhüllen jedoch ihre Füsse komplett mit Socken. Vor allem modebewusste Frauen, die sich nicht scheuen ihre Füsse in unmöglichstem Schuhwerk zur Schau zu stellen, spotten in Zeitungen und Zeitschriften, in Blogs und auf Twitter, manchmal gar im Gespräch in Hörweite der Betroffenen über die Sockinsandalisten. In extremen Fällen hört man sogar die Forderung, Sockinsandalisten im Sommer unter Hausarrest zu stellen. Auch wenn solches kaum ernst zu nehmen ist, zeigt es doch, wieviel in unserem Land in Sachen Toleranz noch im Argen liegt.
Unserer unermüdlichen BaA-Kolumnistin @nicaeli gewidmet.

Montag, 30. August 2010

Drei auf einen Streich

Wenn mir ein Buch gut gefällt, passiert es manchmal, dass ich gleich noch mehr Bücher desselben Autors beschaffe. So habe ich in kurzer Zeit drei Bücher des amerikanischen Journalisten A. J. Jacobs gelesen: "Die Bibel und ich", "Britannica und ich" und "Mensch, bis du dick geworden".  Der Autor macht allerlei Experimente mit sich selbst und seiner Lebensweise. Er versucht ein Jahr nach allen Geboten der Bibel zu leben, ein weiteres Jahr investiert er dazu, die Encyclopaedia Britannica komplett (und sequentiell) durchzulesen und allerlei anderes, wovon das dritte Buch handelt. Es sind also keine Romane, sondern Erfahrungsberichte. Was mir daran gefällt ist, dass nicht nur nüchtern die Tatsachen der Experimente abgehandelt werden, sondern dass der Autor alles auch persönlich betrachtet und damit aus seinem Leben berichtet. Die Bücher von Jacobs erinnern mich an die Reisebücher Individualreisender (z.B. Andreas Altmann), nur dass es hier nicht die Geographie ist, die sich ändert, sondern die Lebensweise des Autors. Man könnte fast sagen, diese Bücher sind die gedruckten Geschwister der Blogs. Und sie haben der Vorteil, dass ich sie auch im Zug lesen kann.

Sonntag, 29. August 2010

Swing, Pop und Klassik

Das Konzert von Patent Ochsner und dem Berner Symphonieorchester war ein durchaus triftiger Grund, am Samstag Abend noch das Haus zu verlassen. Da ich aber den faulen Hund in mir kenne, der mir den Fernsehsessel schmackhaft gemacht hätte, machte ich mich schon am früheren Abend auf Tour. Noch schnell nach Biel an die Altstadtchilbi zum Aufwärmen. Und mit viel Swing aufgewärmt wurde ich tatsächlich, dank diesem Orchester im Ring, dessen Namen ich noch herausfinden muss.
Ich bedauerte, dass ich nach einer Stunde schon weiter musste, aber in Bern erwartete mich ja etwas einmaliges. Einmalig war auch der Publikumsaufmarsch auf dem Bundesplatz. Schon vor Konzertbeginn war nicht nur der Zuschauerraum voll, sondern auch der Raum darum herum. Ich drückte mich ans Bundeshaus, wo ich wenigstens die Videowand sehen konnte und der Ton auch nicht schlecht war. Das Konzert begann orchestral und man spielte das Stück, das man immer wählt, wenn man dem Publikum nicht zu viel Klassik zumuten mag: Rhapsody in Blue. Dann kamen Patent Ochsner. Sie spielten erst mit Orchester, dann alleine und, als Schlussbouquet wieder mit Orchesterbegleitung die Lieder "W. Nuss vo Bümpliz" und "Scharlachrot".

Also, dass Helle links ist die Videowand, dass Helle in der Mitte die Bühne und der Punkt rechts oben vor der Bundeshausfassade der Mond. Mit anderen Worten: Das Bild bringt eigentlich nichts, ich habe es aber trotzdem gepostet.
Nachtrag: Die Band in Biel heisst "wiuds höi".

Samstag, 28. August 2010

Blogkartell?

Anfang August ist in der Neuen Luzerner Zeitung ein Artikel über die Schweizer Bloggerszene erschienen, der in ebendieser viel Beachtung gefunden hat. Bei den Genannten natürlich, aber auch bei anderen, so zum Beispiel bei Monsieur Croche. Die Tatsache, dass im erwähnten Artikel wiederum die "üblichen Verdächtigen" erscheinen, lässt ihn von einen Blogkartell reden. Warum erwähnt dieser und ähnliche Artikel nicht auch mal weniger bekannte Blogs?
Ich halte diese Frage für durchaus berechtigt, sehe das Ganze aber doch weniger dramatisch. Es gibt nun mal diese A-Blogger oder, wie ich sie gerne nenne, Blogdiven, die immer wieder genannt werden, die sich auch gerne in den Mittelpunkt setzten und über die, konsequenterweise, auch gerne gelästert wird. Ich vergleiche sie mit den Diven in Hollywood. Diven sind sicher Werte. Angelina Jolie oder Leonardo di Caprio locken die Massen in die Kinos, machen Lust auf Kino und bereiten auch das Terrain für andere Filme und Schauspieler.
Auch die Blogdiven sind sicher Werte. Der unerfahrene Blogleser findet dort regelmässig interessante Artikel und kann sich erstmal mal ans Blogs lesen gewöhnen. Mit der Zeit wird er beginnen in Blogroll und Artikeln Links zu verfolgen und neue Blogs zu entdecken. Wenn das pro Zeitungsartikel über die Bloggerszene nur ein paar Dutzend tun, habe nicht nur die Blogdiven, sondern auch die kleinen Fische wieder ein paar neue Leser.
Die für mich einzige Neuentdeckung, die Angelones, haben mir gleich die Arbeit abgenommen, die in der NLZ vorgestellten Blogs aufzuzählen und zu verlinken.

Freitag, 27. August 2010

Alle Leute wollen in den Himmel...

...aber sterben woll'n sie nicht! Warum kommt mir heute plötzlich dieser alte Schlager (hier der Text) von Petula Clark in den Sinn? Gehört habe ich ihn nicht. Ich glaube es war dieser etwas morbide Tweet von @hosae: "Ich glaube ja noch immer sehr fest an den Tod nach dem Leben." Diese Umdrehung der Frage nach dem Leben nach dem Tod. Ist der Zusammenhang zwischen diesen beiden Aussagen vielleicht der, dass wir Menschen uns nicht mit dem Tod abfinden wollen und uns ein "danach" vorstellen. Und das, was dann kommt soll uns für die Unbill des Lebens entschädigen und uns für unsere guten Taten belohnen. Die anderen dürfen auch belohnt werden, aber auch für ihre Untaten bestraft. Das Jenseits wird also zur Projektion der Mängel des Diesseits.
Der Glaube an einen Ausgleich im Paradies kann sicher tröstlich sein, er bereitet aber auch die Grundlage für die Verachtung des Lebens, wie sie sich im schlimmsten Fall in Selbstmordattentaten manifestiert. Anstatt sich und andere ins Paradies oder in die Hölle befördern zu wollen, wäre es doch besser, sich das Paradies ins Diesseits zu holen. Mit so plumpen Sachen wie Respekt, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft etc. Das Paradies gibt es nämlich gar nicht, es ist nur eine Werbeidee.
Womit ich ganz halsbrecherisch die Kurve zur SBB gerissen habe. Nicht, dass sie mir das Paradies versprochen hätten, aber sie wollen mir schmackhaft machen, ein 1.Klass-GA zu kaufen. Ich habe jetzt zwei Ferien- und eine Arbeitswoche mit dem 1.Klass-Upgrade genossen und ich muss sagen, ich bin ernsthaft angefixt. Gerade in der BLS-S-Bahn, wo die 2.Klass-Sitze schmaler sind, sind die normal breiten 1.Klass-Sitze natürlich angenehm. Noch besser die Sitze in den Schnellzügen. Nur die Lounge im Zürcher HB nützt mir nichts, jedenfalls nicht im Alltag. Die Leute in der 1. Klasse sind auch einigermassen normal, so dass ich mich da nicht so unwohl fühle, wie ich zuerst befürchtet habe. Das Ganze hat auch seinen Preis: 1'750 Franken Mehrausgaben pro Jahr! Die Entscheidung fällt mir nicht leicht. Bis am 9.September, wenn mein jetziger Upgrade abläuft, habe ich Zeit.

Mittwoch, 25. August 2010

Buebe u Meitli

Heute wieder mal eine (Werbe-)Plakat-Besprechung. Bei Privatfirmen bin ich ja durchaus der Meinung, dass sie die Freiheit haben, sich mit fragwürdiger Werbung zu Grunde zu richten. Anders sieht es für mich aus, wenn staatliche Institutionen oder solche, welche mit Spendengeldern fungieren, am Werk sind. Wobei, allzu dramatisch will ich folgendes auch nicht sehen.
Die Gesundheitsförderung Schweiz wirbt dafür, dass sich Kinder mehr bewegen sollen. Eine löbliche Sache. Draussen spielen sollen sie, die Kinder, z.B. Seilspringen. Da sieht man also einen Knaben und ein Mädchen beim Seilspringen, d.h. sie springt, er liegt am Boden, hat das Seil x mal um die Beine gewickelt. Ich muss zugeben, ich war auch nie ein begabter Seilhüpfer, aber so weit habe ich es nicht gebracht. Etwas künstlerische Freiheit muss man ja dem Plakatgestalter zugestehen, nur.... war wäre wohl passiert, läge das Mädchen dümmlich am Boden? Hatte die Stiftung nicht sofort die Gleichstellungskommissionen aller Kantone vor der Türe gehabt. Oder dasselbe mit zwei Mädchen und das ungeschickte ist dunkelhäutig oder trägt Kopftuch oder gar beides. Der Aufruhr hätte wohl Minarettinitiative mal Zebrastreifen im Quadrat betragen.
Aber Buben weinen nicht über Diskriminierung, nein, sie bieten dem Mädchen sogar noch ein Früchtchen  an.

Sonntag, 22. August 2010

Wir sind Schwingerkönig!

Nun, tönt vielleicht nicht ganz so imposant wie "Wir sind Papst". Aber das würde sich für einen Protestanten sowieso nicht geziemen. Aber so wie sich, zumindest anfänglich, jeder Deutsche ein bisschen als Papst fühlte, kann ich mich ja auch ein bisschen mit dem jungen Mann, der in derselben Gemeinde wohnt wie ich, als König fühlen. Als Schwingerkönig eben.
Dabei, um ganz ehrlich zu sein, interessiert mich Schwingen überhaupt nicht. Ich gönne Kilian Wenger den Sieg, wie ich ihn jedem anderen gönnen würde. Dass er in der Nähe wohnt, spielt für mich keine Rolle. Aber, vor ein klein bisschen Lokalpatriotismus bin auch ich nicht gefeit. Sollte mich morgen jemand danach fragen, werde ich sicher nur positiv davon sprechen. Seien wir also ein bisschen König - wenn dabei nur die Hosen nicht schmutzig werden.

Samstag, 21. August 2010

Bitte nicht helfen, ich habe schon genug zu tun!

Ich weiss, das tönt doch etwas paradox. Aber diese Bitte äussere ich immer wieder, wenn ich Gastgeber bin, wie z.B. heute. Klar, bei einer Grillparty wie dieser komme ich recht ins Schwitzen, weil ich alles im 2. Stock holen muss und die Gäste meinen es ja nur gut. Nur, wer weiss, wo die Sachen sind? Ich natürlich. Und ich weiss auch, was, wie und wo hin soll. Dasselbe gilt fürs abräumen. Plötzlich beginnt jemand ein paar Teller zusammenzustellen und schon habe ich drei Beigen Teller mit Essensresten, Servietten und gekreuztem Besteck, die Salatschüssel mit zwei weiteren Tellern, zusammengesteckte Gläser mit Getränkeresten etc. Dass beim tragen über mehrere Treppen einiges herunterfällt ist garantiert.
Nein, so geht das nicht! Lasst alles, wo es ist! Erst mache ich die Runde mit dem Kerichtsack und sammle die Papierservietten, Essensreste, Kronkorken und was sonst noch als Abfall bleibt. Dann komme ich mit einem grossen Bierglas - nein, nicht zum prosten - sondern um das Besteck hereinzustellen. So fällt keine Gabel und kein Messer mehr herunter. Schliesslich können die Teller aufeinander gestapelt und so wegtransportiert werden. Von dieser Beige kann ich sie auch bequem in die Abwaschmaschine stecken.
Leere Flaschen und nicht mehr gebrauchte Gläser werden erst mal beiseite gestellt und nach der Party weggeräumt.
Es tönt vielleicht etwas schroff und unfreundlich, wenn ich sage: Helft mir nicht! Aber, liebe Gäste, ihr tut mir wirklich einen Gefallen damit. Es sie denn, ihr wart nicht zufrieden und findet, ich hätte noch ein bisschen extra Stress verdient.
Er war auch an so mancher Grillparty dabei, mein Kater Fox (1994-2009) und hat nie mit aufgeräumt.