Montag, 1. Februar 2016

Der Februar 2016

8 Montag
Freunde zu haben, ist sowieso ein Privileg. Und letzten Samstag hatte ich das Privileg mit A. und zehn weiteren Privilegierten solchen Konfekt zu geniessen.

Es ging natürlich nicht (nur) ums Essen, wie der Prospekt auf dem Bild zeigt. A. hatte in einem Fan-Wettbewerb einen Matchbesuch in einer VIP-Loge gewonnen und hatte beim Einladen auch an mich, einen ausgesprochenen Anti-Fussball-Fan, gedacht. Mit Essen, Trinken und Leckereien zwischendurch – aber auch einem Fussballspiel! Auch ich stand, wie es sich gehört, während des Spiels draussen und schaute zu.
Einen Torschuss konnte ich leider nicht aufnehmen, obwohl es immerhin drei gab. Ein Tor wurde aber nicht anerkannt, so dass der Match 1:1 unentschieden ausging. So eine Loge ist etwas tolles, selbst wenn es nichts zu Essen gäbe. Man kann sich vor und nach dem Match und in der Pause ins Geheizte zurückziehen.

14 Sonntag
Schweden, Dänemark, die Schweiz und Italien entschieden letzte Nacht über ihren Teilnehmer am Eurovision Song Contest 2016. Ein deutliches Nord-Süd-Gefälle ergab sich auch in der Reihenfolge der Kür. Die Schweden waren schon um halb zehn soweit. Die Dänen folgen kurz vor zehn und die Schweiz etwas danach. Die Italiener, die traditionellerweise etwas länger in den Abend leben, liessen sich entsprechend länger Zeit.
Zugegeben, sie begannen auch erst um 21.Uhr und San Remo ist etwas ganz anderes als Kreuzlingen. Ich habe durchgehalten und bis halb zwei geschaut bis der Sieger Feststand: Eine Altherrenband namens Stadio. Die Herren wollen aber nicht an den ESC, haben sie mittlerweile verlauten lassen und die RAI wird dann wohl den zweit- oder den drittplatzierten schicken.
Was denke ich zum Schweizer Beitrag? In meinen Augen, pardon, Ohren ein durchschnittliches Stück, das es vielleicht in den Final schafft, aber dort kaum so gut abschneidet, wie jenes vor zwei Jahren (13. Platz für Sebalter). Den letzten Sieg schafften wir zwar auch mit einer Kanadierin, aber Rykka ist nicht Céline.

15 Montag
Schon wieder ein Selfie!

Der Grund, warum ich mich wieder einmal vor die Linse genommen habe, ist nicht im Bild sichtbar, denn es sich das Gerät selbst. Ich habe mir ein neues Handy, resp. Smartphone geleistet. Ich bin dem iPhone untreu geworden und habe auf Samsung gewechselt. Und da muss natürlich auch die Selfie-Funktion getestet werden. Auf eine neue Qualität! Zumindest der Fotos…


23 Dienstag
So sah die Mise an Place aus:
 Eigentlich sogar eine Pré-Mise-en-Place, denn noch ist nichts ausgepackt, nichts geschnitten. Ich konnte jetzt den ganzen Dienstag Nachmittag in Ruhe damit verbringen, aus diesen Zutaten das geplante Gericht zuzubereiten. Wer genau geschaut hat, hat es sicher erraten – es soll eine Lasagne werden. D.h. sogar zwei. Eine konventionelle mit Hackfleisch und eine Gemüselasagne. Letztere mit Tortilla-Abdeckungen anstatt Lasagne-Nudeln. Sie war dann das alleinige Gericht für die Fleisch verschmähende und für die anderen die Gemüse-Beilage. Für mich zum Beispiel:
 Für’s Kochbuch hätte man die Lasagne wahrscheinlich irgendwie fixiert und mit Glanzspray und Trockeneisdampf präpariert. Aber ich wollte sie schliesslich essen. Sie schmeckte gut und meine Gäste bestätigten es.

Freitag, 1. Januar 2016

Der Januar 2016

1 Freitag
„Wenn Sie via Satellit schauen“, sagte der Moderator auf der ARD, „dann sind Sie etwa 2 Sekunden hintendrein. Vielleicht knallen bei Ihren Nachbarn die Korken früher, als bei Ihnen.“ Ich habe ja noch nie den Korken Punkt zwölf knallen lassen – gestern erst recht nicht.
Ich war bei Nachbarn zum Fondue eingeladen. Wir waren, nicht nur vom Essen,  schon bald müde, so dass wir beschlossen, bereits um elf auf’s neue Jahr anzustossen. Danach gingen alle nach Hause und ich sass um Viertel vor zwölf wieder vor dem Fernseher und konnte obige dringliche Warnung verfolgen.

3 Sonntag
Oh, Schreck, ein Selfie! Aber ich habe ja anfangs Jahr geschrieben, dass ich ein Selfie ab und zu gar nicht so schlecht finde.
Eigentlich bin ich gar nicht der Typ für Jahresrückblicke. Ich schaue mit Be- und Verwunderung auf andere Blogs, wo die Autoren all ihre Bücher, Filme, Musikalben, Konzerte, Messen, Reisen, Familienerlebnisse und natürlich Blogartikel des Jahres Revue passieren lassen und für jede Kategorie eine Top 3 (wenn nicht gar eine Top 10) bilden können.
Dass dies bei mir nicht so ist, liegt auch daran, dass ich kein Thema beruflich verfolge, über das ich bloggen könnte. Ich blogge eher assoziativ und plane kaum. Aber wiederkehrende Themen gibt es natürlich: Essen und Trinken, resp. Kochen und Brauen, Reisen, Lesen, der Alltag und das Bloggen selbst. Seit meine Katze tot ist, ist ein beliebtes Füllthema zu Ende und dasselbe gilt bald auch für den Job. Aber ich denke, mit offenen Augen und Ohren werde ich weiterhin etwas zu schreiben haben.

10 Sonntag
Sich nicht zu verbiegen, wird einem ja gerne in Lebenshilfebücher und ähnlichem geraten. Aber hier geht es nicht ums biegen, sondern ums beugen, ums Verbeugen eben.
Aber erst mal etwas ganz anderes: Am Samstag Abend lief auf SWR ein Porträt vom Caterina Valente. Unter anderem zeigten sie diesen Ausschnitt aus einer Show, wo sie sich mit Ella Fitzgerald messen konnte.
Valentes Karriere begann im meinem Geburtsjahr und sie war einer der Stars, die meine Mutter gerne sah. Mit einer Einschränkung: Caterina Valente hatte die Gewohnheit, sich nach jeder Nummer zum Applaus zu verbeugen. Tief zu verbeugen. Das war meiner Mutter zuwider. Mehr als einmal verwies sie mich auf einen anderen Star – auf Mireille Mathieu. Diese reagierte auch auf brausenden Applaus lediglich mit einem Kopfnicken. So musste es sein, befand meine Mutter: ein Nicken genügt.

18 Montag
Ein guter Vorwand, ein altes Bild mit Katze zu recyclen:
Ich habe beschlossen meinen alt-ehrwürdigen Revox-Receiver (das ist ein Verstärker mit Radio) zu pensionieren. Wobei er nicht Rente bekommt, sondern in die Entsorgung wandert. Als ich vor dreissig Jahren meine Anlage zusammenstellte, war für mich klar, dass das Herzstück aus bestem Hause stammen musste. Er hat mir auch gute Dienste geleistet, aber mit dem Alter leistet er sich auch immer neue Macken. Kaum ein Tag, an dem er sich nicht selbständige um- oder ausschaltet. So wird er bald durch einen Mini-Anlage, die nicht halb so gross, aber doppelt so leistungsfähig ist, ersetzt.

23 Samstag
„Du solltest dir einen Tagesplan machen, damit du nicht nur noch passiv daheim sitzt“. In etwa diesen Worten warnte mich A. vor den Gefahren des Pensionärsdaseins. Nett, wenn sich Freunde so Gedanken um einen machen, aber so schlecht war der Tipp ja nicht. Also tat ich wie geheissen.
Ich unterteilte den Tag in fünf Teile: Morgen, Vormittag, Nachmittag, Vorabend und Abend. Dann legte ich fest, wann welche Tätigkeiten in diesem Raster Platz haben. So vorbereitet öffnete ich eine Excel-Tabelle mit diesen Tageszeiten als Kolonnen und jedem Kalendertag als Zeile. Von Februar bis Mai füllte ich Feld um Feld mit Training, Einkaufen und Essen, mit Hobbies, diversen Stammtischen und Schachabenden. Einen Tag pro Woche will ich für eine Tagesreise frei behalten, wenn ich in Bern bin, will ich dort noch etwas unternehmen und monatliche Anlässe bedingen manchmal die Verschiebungen eines sonst festgeplanten Termins. Je nach Thema gab ich den Feldern noch verschiedene Farben und als ich fertig war, sicherte ich die Tabelle. Dann schaute ich mir die Sache noch einmal genau an, korrigierte ein paar Sachen, schloss die Tabelle und … und … löschte sie.
Der Tagesplan war gut, aber gleich einen Kalender füllen ist Blödsinn. In den Kalender gehören nur diese Termine, die den normalen Ablauf ändern. Für den Rest gibt es das, was ich mir für den Montag Morgen vorgenommen habe – die Wochenplanung.

30 Samstag
Pokale sind bekanntlich Geschmacksache. Aber ein Klub, der eine Klubmeisterschaft durchführt, muss den Sieger ja irgendwie auszeichnen.

So drängt sich ein Pokal auf. Meist handelt es sich um einen Wanderpokal, auch in unserem Schachklub. Als Turnierleiter bin ich für die Gravur zuständig. Nachdem vorletztes Mal der Graveur in Thun krank war und ich es letztes Jahr schlicht vergessen hatte, wollte ich es jetzt besser machen und bin letzten Samstag nach Frutigen gefahren, wo es ein Geschäft für Sporttrophäen hat. Heute konnte ich das Resultat der Arbeit abholen, wobei ich mir die Hinfahrt mit einem viertelstündigen Stau verdienen musste. Glücklicherweise hatte ich genügend Zeit berechnet. Heute Nachmittag an der GV kann ich unserem Seriensieger Reto endlich den gravurmässig aktualisierten Pokal überreichen.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Der Dezember 2015

3 Donnerstag
Le brochet heisst der Hecht. Eine brochette ist hingegen keine Hechtin, sondern ein Spiess.
Seit Jahren bestelle ich an unserem Treffen in der Brasserie Bärengraben die „brochette dijonnaise“ mit „pommes allumettes“. Davor Nüsslersalat und nachher Schokoladetorte. Ganz vorher und ganz nachher ein Weihnachtsbier.
Natürlich sind wir, die einst in der Volksbank (†) zusammengearbeitet haben, einschliesslich der einen Dame, ganz tolle Hechte!

14 Montag
Im Dezember sind ja immer die „Lohnverhandlungen“, d.h. der Chef schlägt vor und der/die Angestellte sagt ja und bekommt Schokolade. Wobei ich in diesen acht Jahre nie Probleme hatte, ja zu sagen, denn die Chefs waren immer grosszügig, wenn man bedenkt, dass wir seit Jahren kaum Inflation hatten. Auch diesmal erhalte ich eine Lohnerhöhung von 1%. Das ist nicht allzuviel und gilt nur noch für einen Monatslohn, denn der Januar ist ja mein letzter. Aber wie sagt das Mäuschen? „S’isch gäng das!“ – Ein paar Bierchen mehr.

15 Dienstag
Manchmal braucht es nur ein Wort und ich erinnere mich an einen Episode von früher. Als ich Jugendschachleiter war und ein Spieler einen Regelverstoss seines Gegners meldete, wollte ich ihn überreden, nachgiebig zu sein. „Mais, sois généreux“, sagte ich ihm. Darauf wollte er aber nicht eingehen. „La générosité ne paye pas!“
Ich habe ihn schon lange nicht mehr gesehen, vielleicht ist er heute grosszügiger und teilt die Meinung des Moderators von Option Musique von heute morgen. In welchem Zusammenhang er gerade von Grosszügigkeit sprach, habe ich nicht mitbekommen, wohl aber diesen Satz: „La générosité fait part de la nature humaine“. Genau!

Instagramm 2015
Silvester

Sonntag, 1. November 2015

Der November 2015

11 Mittwoch
Ich ergötze mich immer noch an der Tatsache, dass die Unterländer Biertage in Oberglatt stattfinden, obwohl ich letzten Sonntag schon zum dritten Mal dort war. Aber unabhängig wie es heisst, Hauptsache es gibt gutes Bier dort, so dass sich die dreistündige Anreise lohnt.
Ein weiteres Paradoxon ist, dass wir als erstes bei dem Brauer landen, für den wir nicht so weit reisen müssten – bei Ueli Bösiger aus Burgdorf. Aber er hat immer den Stand beim Eingang. So stimmen wir uns jeweils bei ihm ein und lassen uns von Ursula und Ueli die neuesten Gerüchte aus der Brauerszene berichten.
Dann geht’s aber los. Zum Glück haben mittlerweile fast alle Brauer Probiersets mit 1dl-Bechern, so dass wir bei der Brauerin von Monsterbräu und den Brauern von Schlachthuus-Bräu und Brüllbier von Hell über Weizen, Amber, Stout bis IPA durchprobieren konnten. Bei letzterem gab es auch noch ein im Whisky-Fass gereiftes Whisky-Bier. Als nächstes besuchten wir den nach meiner Meinung schönsten Stand:

Wobei der rustikale Holzverschlag mit Hopfenranken täuscht. Die Ein-Mann-Brauerei heisst „Ahoi“ und hat ein Schiffssteuerrad als Logo. Er hatte kein Probierset und so wählten wir das  zweite, das vierte und das sechste Bier (von links). Erstaunlich, was ein Bierliebhaber und begabter Bastler (er hat die Brauerei grösstenteils selbst gebaut) hinbringt.
Weiter ging es zu St. Laurentius Bräu (der Laurentiusrost ziert das Wappen von Bülach), Nubiabrew (der Brauer stammt aus Äthiopien) und „biervonvier„. Bei letzterem handelt es sich, wie der Name sagt, um vier Brauer, die sich eine Brauanlage teilen und jeder sein Bier nach eigenen Rezepten anbietet.
Einer der Brauer hat auch gebacken:

Bei den vieren erinnerten wir uns daran, dass wir um vier wieder gehen mussten und nur noch eine Stunde Zeit hatten. Also noch ein Abstecher bei Culina, bei dem ich sogar noch eine Flasche Orangen-Ale kaufte und dann zum zweiten Berner in der Runde: Dani-Bier. Leider hatte er nur zwei eher uninteressante Helle im Ausschank. Darum ging es nach ein bisschen Smalltalk weiter zu Lägere-Bräu, deren Biere wir schon kannten, ausser dem Espresso-Stout, das wir noch probieren mussten. Noch einmal ein 5-er-Probierset gab es schliesslich bei Hugo Gutknecht, dem Organisator der Veranstaltung.
Das letzte Glas (natürlich im Stehen) gönnten wir uns wiederum bei Bösigers und dann hiess es: Zug nicht verpassen!
Fazit: Bei den Unterländer Biertagen herrscht die familiärere Atmosphäre als in Rapperswil oder gar in Solothurn. Gerade als Hobbybrauer ist es angenehm, wie man Erfahrungen austauschen kann und die Aussteller lassen die interessierten Besucher gerne an ihren Erfahrungen teilhaben. Wir freuen uns bereits auf November 2016…

13 Freitag
Kürzlich las ich auf einer Webseite die Bemerkung, junge Eltern verstünden Altersangaben nur in Monaten. Nun, ich hoffe doch, dass solches spätestens beim 3. oder 4. Geburtstag des Kindes aufhört. Spasseshalber habe ich mein Alter in Monaten ausgerechnet und kam so zu folgender Erkenntnis:
Heute, am Freitag, 13. November, bin ich genau 700 Monate alt.
Da triffte es sich bestens, dass Kollege A. und ich heute unser Weihnachtsessen unter Freunden haben. Da können wir – nicht gerade 700 Mal – aber einige Male darauf anstossen.

 Abendstimmung

29 Sonntag
Wann immer eine Kleinbrauerei ihre Tore öffnet, schauen auch die beiden Brauer aus dem Diemtigtal gern rein. So begaben sich J. und ich letzten Samstag nach Ringgenberg und suchten dort erst einmal das Altersheim. Gut versteckt ist es und nur dank einer Fahne fanden wir auch den Eingang , nicht zum Heim, sondern zur Zivilschutzanlage, wo sich die Burgbier-Brauerei befindet.

Glücklicherweise liefen wir gleich dem einen Brauer in die Arme, der uns gleich eine Degustationsrunde anbot. Einige Bier ab Hahnen, einige aus der Fasche mit Etiketten, die sein Sohn entworfen hat. Mit einer Ausnahme schmeckten uns alle Biere und wir verabschiedeten uns nach einer Stunde nicht ohne Einkauf.
Nächste Station war die Brasserie 17 in Interlaken, wo es im November Muscheln gibt. Ursprünglich planten wir noch mit ein paar anderen Bierfreunden zu gehen, es liess sich aber kein gemeinsamer Termin finden. So gingen wir halt zu zweit, denn gleich ist die Muschelzeit zu Ende und wir haben sie schon letztes Jahr verpasst.

30 Montag
Um den Brienzersee herum wird vielerorts gebraut. In Ringgenberg, wie gestern berichtet, in Schwanden ob Brienz und in Matten, wo der Oberländer Lokalmatador, Rugenbräu, seinen Sitz hat. In Schwanden befindet sich die Kleinbrauerei Jungfraubräu, wo man sich folgendermassen über den grossen Konkurrenten lustig macht:


Bei Rugenbräu und ähnlich grossen Brauereien lästert man natürlich über Feldschlösschen, welches Carlsberg gehört oder die Heineken-abhängigen. Auch unter den Kleinen gibt es Rangeleien, bleibt aber diskret, denn ein gemeinsames Ziel haben alle: Die Förderung der Biervielfalt.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Der Oktober 2015

5 Montag
„Le fabuleux destin d’Elisabeth Vigée“, so hiess die Doku, die letzten Samstag auf Arte lief auf französisch. Elisabeth Vigée war eine auf Porträts spezialisierte Malerin, die von 1755 bis 1842 lebte. Sie war Hofmalerin von Marie-Antoinette und Mitglied der Académie de St-Luc, als eine von nur vier Frauen.
Während der Revolution floh sie erst nach Italien, reiste später nach Wien und schliesslich nach St. Petersburg. Dank ihrer Bekanntheit und den guten Beziehungen zu den europäischen Königshäusern fand sie immer ein Auskommen als Porträtmalerin und verdiente gut.
Als sie wieder nach Paris zurückdurfte, erhielt sie auch dort wieder Aufträge (obwohl Napoleon sie nicht mochte), bildete ihre Nichten als Malerinnen aus und unterhielt einen Literatursalon, wo bekannte Autoren verkehrten. Genau 660 Bilder von ihr sind erhalten geblieben. Keine üble Karriere, könnte man sagen, mit allerlei auf und ab, wie’s halt so geht.
Einen ganz anderen Eindruck muss man haben, wenn man den deutschen Titel des Films liest: „Aufstieg und Fall der Elisabeth Vigée“. Typisch deutsch, habe ich geschimpft. Wer aufsteigt, muss gemäss germanischer Mentalität auch fallen. Jede Karriere eine Wagner-Oper…
Sei es so. Mich hat jedenfalls beeindruckt, dass sich eine Frau im 18. und 19. Jahrhundert doch recht gut alleine durchschlagen konnte und offenbar auch von niemandem gehindert wurde, zu tun was sie wollte.
Hier auf Wikpedia – noch detaillierter natürlich der französiche Artikel.

8 Donnerstag
Das Lied gefiel mir schon immer. So ergab es sich, dass ich im Gitarrenkurs dieses Lied vorschlug. Das sei aber schwer, sagte der Gitarrenlehrer, zu schwer für Anfänger. Trotzdem brachte er das Notenblatt samt Text mit.
Es war wirklich zu schwer, so wie das Gitarren spielen überhaupt zu schwer für mich war. Schon bald litt ich nämlich an einem Gitarrenarm – einem Verwandten des Tennisarms. 
Ein ganz interessanter Text: Da wandert ein Krieger durch die Welt und trifft eine geheimnisvolle Dame im schwarzen Mantel. Er erkennt gleich, dass sie eine Art Göttin ist und erbittet ihre Hilfe. Wilde Pferde, um seine Feinde niederzutrampeln, wünscht er und, dass sie bei ihm bleibe. Obwohl sie ihm beide Wünsche verweigert, erfährt er neue Kraft und ruft alle auf, sie immer von ihm zu grüssen.
Für meinen quasi gelähmten Arm brauchte ich eine Lady in White, eine Physiotherapeutin. Sie konnte mit den passenden Übungen meine „eingefrorenen“ Muskeln aktivieren. Die Gitarre habe ich dann in eine Ecke gestellt und letztes Jahr einer Nachbarin verkauft.

11 Sonntag
So einen kleinen Abstecher an den Bodensee, nach Lindau, wollte ich schon länger machen. Am Samstag habe ich es gewagt. Immerhin viereinhalb Stunden pro Weg (nach Mailand waren es nur drei). Also früh aus den Federn um dann am Mittag einen Blick auf den Hafen zu werfen.

Im Bild der Mangturm, der frühere Leuchtturm Lindaus. Links vom Fotografen steht die Säule mit dem Löwen.

Die Altstadt von Lindau liegt auf einer Insel – der Insel der Linden, wie der Name sagt. Diese Altstadt ist auch recht gross und voller Läden, Restaurants und Hotels. Ich bin durch etliche Gassen marschiert und fast um die ganze Insel herum.
Schaut man von der Hafenmole auf den See, sieht man, dass Lindau eigentlich in einer Bucht, der Bregenzer Bucht, liegt. Der lange Landstreifen im Süden ist der Damm des Rhein-Einflusses.

Es war ziemlich bewölkt, wie man sieht. Vielleicht ganz gut, denn wer weiss, wie voll die Stadt bei perfektem Ausflugswetter gewesen wäre. Ich habe für beide Wege den Weg via Friedrichshafen gewählt. Bei schönerem Wetter hätte ich etwas mehr Zeit investiert und wäre auf dem Rückweg mit dem Schiff nach Rorschach gefahren.

13 Dienstag
Es ist schätzungsweise schon 30 Jahre her, als es möglich wurde, dass bei der Heirat der Mann den Namen der Frau übernahm. Damit wurde es auch nötig, in Formularen den Begriff „Mädchenname“ zu ersetzen, konnte ja jetzt sowohl die verheiratete Frau, wie auch der verheiratete Mann einen früheren Namen haben.
Ehen werden bekanntlich auch geschieden und so kommen jetzt auch Männer in die Situation, dass sie den Namen, den sie als ledig trugen, wieder annehmen können, wollen oder müssen. Ein Kollege im Schachklub hat dies gerade getan. „Ah, du trägst wieder deinen Ledigen-Namen“, habe ich gesagt, nicht etwa dein Bubennamen.

14 Mittwoch
Heute Mittwoch ist es heraus gekommen. Das crowdgefundete Titelblatt von 20 Minuten. Beidseitig mit den Namen der Spender bedruckt. Meiner ist auch dabei, obwohl ich gar nicht gespendet habe. Offenbar war ein Namensvetter (oder eine Namensbase) am Werk.
Die Aktion „mir langets“ ist eine Reaktion auf den Spasswahlkampf speziell einer Partei. Ein Student namens Donat Kaufmann hat sie gestartet und ein paar tausend Leute sind darauf angesprungen. Inwiefern man die SVP – um diese geht es ja in erster Linie – bekämpft, indem man dem TA-Verlag 138’000 Franken nachwirft, ist mir allerdings schleierhaft. Das haben sich Donat und seine Freunde wohl auch noch gefragt und versucht, TA dazu zu bringen, den Ertrag an „Reporter ohne Grenzen“ zu spenden. Die haben abgelehnt. Zu Recht finde ich, denn man ändert die Regeln nicht während des Spiels.
Der SVP dürfte es auch kaum schaden, schliesslich wurde sie in der Diskussion um diese Aktion wieder hundertmal genannt. 20 Minuten hat einmal mehr ihre teuerste Inseratenseite verkauft. Und Donat? Nun, der hatte zumindest seine 15 Minuten (und sogar etwas mehr) Berühmtheit.

23 Freitag
Bei den neu gewählten vom letzten Sonntag wird man nach 100 Tagen fragen, was sie geleistet haben. Ich habe heute auch den 100. Tag. Nicht den nach der Wahl, sondern den vor der Pensionierung. In 100 Tagen ist der 1. Februar 2016.
Darüber sinnierend ass ich heute mein Sandwich auf dem Picknickplatz an der Worble.

Dienstag, 1. September 2015

Der September 2015

A 15 Days Wandering...
...von Samedan über den Piz Palü etc… im Jahre 2000.
Diese und 8 weitere Wanderungen sind kurz beschrieben auf der ominösen Spirale beim Bahnhof Wankdorf, resp. dem Rosalia-Wenger-Platz. Zwischen den Texten die Sohlenabdrücke – Profile von Bergschuhen.
Das ist also einer gewandert und der Betrachter is wondering, was das soll. Immerhin ist der Brunnen wieder in Betrieb, so dass man sich den Kopf darin kühlen kann, wenn er vor dieser Frage überhitzt ist.

Die Weltausstellung in Mailand
Fast alle Pavillons, die ich gerne gesehen hätte, wollten einige andere tausend Leute auch sehen. Japan, Thailand, Israel, Brasilien, Nepal, Oman … , aber auch Schweiz, Oesterreich, Deutschland: lange Warteschlangen.
Von den grossen besuchte ich nur USA (enttäuschend) und Russland. Letztere hatten Getreide als Thema. Irland berichtet von Viehzucht, Turkmenistan von Oelförderung, Estland von Handwerk und Natur. Ja, das Thema „Feed the World“ wurde etwas offen interpretiert. Mich selbst musste ich auch füttern – mit einem Hamburger. Dort musste ich nicht so lange anstehen.

Henusode sagt der Berner. Der Italiener sagt es sicher ähnlich. Nehmen wir es, wie es ist. Mein Besuch der Expo in Mailand war nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe. Nicht dass ich gedacht hätte, alleine dort zu sein.


Trotzdem war es für mich spannend, einmal eine Ausstellung dieses Ausmasses zu sehen und abzuschreiten. Ja, in den Füssen hatte ich den Tag.

Als Begrüssungs- und Verabschiedungskommittee fungierte diese Figurentruppe deren Kleidung und das Gesicht aus Gemüse, Früchten oder auch Pasta bestanden. Sie sind den Gemälden von Guiseppe Arcimboldo nachempfunden. Gerade richtig, sich versöhnlich von der Expo zu verabschieden.

Samstag, 1. August 2015

Der August 2015

Da hat ein Juso getwittert: „Wenn mir einer mit ‚Happy Birthday Schweiz‘ kommt, werde ich sauer“.
Nun, dass der 1. August ein willkürlich gewähltes Datum ist, dass der Bundesbrief lediglich „im Sommer“ sagt, dass ebendieser nicht alleine die Eidgenossenschaft begründet, dass die heutige Schweiz erst mit der Verfassung von 1848 entstand … das wissen wir ja alle.

Die Schweiz ist ein Konstrukt, das während vielen Jahren durch viele Geschehnisse entstanden ist und weil man nicht jedes einzelne feiern will, hat man halt den 1. August zum Nationalfeiertag, zum „Geburtstag“ der Schweiz bestimmt. Vielleicht schreibe ich dem jungen Mann einen Geburtstags-Tweet und wer weiss, vielleicht können auch 18-jährige Jungsozialisten gelassen reagieren.

Mutter und Sohn

Rechts ca. 1959 auf dem Bieler Strandboden, links 1992 bei Davos.
Meine kritische Leserin Hausfrau Hanna hat mich verdächtigt, die Haare zu färben, was ich durchwegs dementieren kann, mit Ausnahme ebendieses Jahres 1992. Damals habe ich mit rot, genauer kupferrot experimentiert – man kann es auf dem Bild erkennen. Meine Mutter hat sich auch eine zeitlang das Haar gefärbt. Als es dann gleichmässig grau war, hat sie es sein lassen.

9 Sonntag
Unweit meines Arbeitsplatzes ist es gerade kräftig am krachen. Im Industriegebiet werden alte Fabrikgebäude abgerissen. Gleich neben den Bürogebäuden des BUWAL.
Weiter vorne, gleich neben dem Stufenbau entsteht bereits ein neues Gebäude für Holzbau Anliker, zur Zeit unsere Nachbarn. Ob sie dann dieses Gebäude aufgeben? Ich weiss es nicht und werde es wohl auch nicht mitbekommen, da die eventuelle Züglete wohl erst nächstes Jahr stattfinden wird.
An der Papiermühlekreuzung wurde auch gerade ein altes Haus abgerissen – was wohl dort entsteht? – und eine Ecke weiter wird gerade ein Haus fertig mit Eigentumswohnungen ab 750’000 Fr. Und mir waren vor 25 Jahren 400’000 Fr. zuviel! Ein neues Wohnhaus bei der S-Bahn-Station ist auch bezugsbereit. Da muss man nur zur Tür herausstolpern und man ist auf dem Zug nach Bern. Dieser Luxus dürfte auch nicht billig sein.
Aus jeder anderen Gemeinde könnte man ähnliches erzählen. Es wird gebaut wie wild.

17 Montag

Rund um den Bahnhof Wankdorf gibt es immer noch einiges zu sehen und sich zu wundern. Da war gerade rechtzeitig zur heissen Zeit der Brunnen am sprudeln – und dann wurde das Wasser wieder abgestellt und der Brunnen eingezäunt. Die orangen Männer verlegten eine orange Spirale um den Brunnen herum und teerten das Ganze neu. Sobald die Schranken weg sind, muss ich mir die Sache näher anschauen.

Sans glace - sans grâce

Mittwoch, 1. Juli 2015

Der Juli 2015

Wäre es nicht schöner, wenn der 1. Juli Neujahrstag wäre? Jetzt ein paar Tage frei, das wäre doch was. Zugegeben, im Winter ein paar Tage nicht aus dem Hause müssen ist auch nicht schlecht.

12 Sonntag
16 Leute an meiner Grillparty, trotz einiger Absagen. Mein Bruder und meine Schwägerin waren krank, eine Bekannte musste einen noch höheren Geburtstag feiern (einen sechzigsten) und zwei Nachbarn waren auf Kreuzfahrt.
Erst am letzten Wochenende klagte ein 26-jähriger, ein Gleichaltriger habe seine Freunde zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Das mache man doch selbst in meinem Alter nicht, meinte er. Nein, auch in meinem Alter lädt man gerne zu Bier und Würsten. Das heisst aber nicht, dass man das andere lässt:


Da die Gäste nicht ohne Mitbringsel erscheinen wollen, bitte ich sie, etwas zum Dessertbuffet beizusteuern. Zwei Stückli pro Person. Aber daran halten sie sich jeweils nicht und so habe ich auch am Sonntag noch eine reichliche Zvieri-Platte übrig.

18 Samstag
Ich habe vor ein paar Tagen erwähnt, dass ich vor längerer Zeit (1990) einen einwöchigen Vollwertkochkurs besucht habe.
Das speziellste war jenes rechts unten. Ein Hörnlisalat in einer Gugelhopfform leicht zusammen gepappt, gestürzt und in der Mitte mit Hüttenkäse gefüllt. Wie schon gesagt: Vollwert ist nicht zwingend vegan.
Da nicht genügend Platten vorhanden waren, kam Jemand auf die Idee, Spiegel zu verwenden. So wurden den etliche Badezimmerspiegel abmontiert und natürlich sauber geputzt.

20 Montag
Es war eine schöne Zeit, obwohl sie mich unzählige Male an den Rand des Wahnsinns getrieben haben.

Kater Fox : 2.5.1994 – 21.4.2009
Katze Fix : 2.5.1994 – 20.7.2015

26 Sonntag
Einer der Höhepunkte im Juli ist für mich immer unser Biervereinsausflug. Diesmal hat der Braumeister einen Abstecher nach Saignelégier organisiert. Dort ist nämlich die Brasserie des Franches Montagnes, kurz BFM, zuhause.
Wir liessen uns die Brauerei zeigen und bewunderten auch den Lagerraum des „Flagschiffes“ von BFM, nämlich des „Abbaye du Saint Bon Chien“. Das ist ein  Starkbier, das hier in ehemaligen Wein- und Schnapsfässern reift (Eiche, versteht sich) und vom Chef J. Rebetez abgemischt wird. Beim „guten Hund“ handelt es sich um die ehemalige Brauereikatze, die nach ihrem Tod von den Brauern heilig gesprochen wurde und mit diesem Bier geehrt wird. Auch die Nachfolgerin hat einen speziellen Namen: „27.6“ – auch ein Bier natürlich.

Nach der Führung folge die Degustation begleitet vom viel nahrhaftem: Tête de Moine, Trockenwurst, Brot und Totché. Letzteres ist ein Sauerrahmkuchen der früher mit Briesch, der unverkäuflichen Milch der Kuh nach dem kalbern, zubereitet wurde.
Die BFM-Biere stiessen auf ziemlich geteilte Zustimmung. Da fast alle von eher säuerlicher Sorte sind, sehnten sich etliche Bierfreunde wieder nach einem 0815-Bier um den Gaumen zu neutralisieren. Das eine oder andere Glas blieb stehen, die Esswaren hingegen nicht.

Auch ich, beim Bier degustieren schon einiges gewohnt, war mit sauren Goûts langsam bedient. In eines von ihnen verliebte ich mich aber sogleich. Sicher kein Zufall, ist es jenes mit einer echten, fruchtigen Zutat: Zwetschgenmus. „La Torbille“ heisst es und ich bin bereits entschlossen, mich damit auch zu versuchen.
Was ich bei BFM auch gelernt habe – ich werde demnächst meine Katzen heiligsprechen und Biere nach ihnen benennen.
Den Abend verbrachten wir mit „normalem“ Bier (und Pizza), bei der Granicum-Brauerei in Grenchen. Wir „Oberländer“ erreichten danach gerade noch rechtzeitig Spiez, um das Feuerwerk des Seenachtfestes zu sehen.
Ich hatte übrigens mein iPhone zuhause vergessen und konnte feststellen, dass es auch ohne geht. Nicht vergessen hatte ich zum Glück den Fotoapparat.
Mehr zu Totché/Brieschkuchen hier.
Die Brauereien: BFM, Granicum.

28 Dienstag
Kürzlich habe ich mich über einen Spruch auf Twitter genervt. Er ging ungefähr so: „Wir bezahlen den Menschen, die zu unserem Geld schauen mehr, als denen, die zu Menschen schauen“.
Verdient tatsächlich jeder Bankangestellte mehr, als ein Arzt oder eine Lehrerin? Aber nein, man musste den Spruch natürlich „richtig“, also clichiert, verstehen: Börsenspekulanten verdienen mehr als Pflegepersonal.
Man muss den Spruch sogar clichiert verstehen, denn es gibt noch viele andere, sehr angesehene Berufe, in denen man mehr verdient, als in der Pflege. Es braucht nicht viel, um einverstanden zu sein und dem Autor die Einsicht in gesellschaftliche Missstände zu bescheinigen. Und genau darum nenne ich solche Tweets Gefälligkeits-, ja sogar Selbstgefälligkeitstweets. Es ist gesagt, resp. geschrieben und Autor und Leser können sich mit erleichtertem Gewissen zurücklehnen und müssen nicht handeln.
„An den Taten sollt ihr sie erkennen, nicht an den Tweets“ werde ich gleich auf Twitter schreiben. Das im Bewusstsein, dass meine Taten auch an einem kleinen Ort sind. Darum halte ich mich Ratschlägen, erst recht mit Anklagen, sehr zurück.