Montag, 31. Januar 2011

Kritik und Leistung

Das Thema dieser Tage ist Aegypten. Klar dass dies auch die Blogosphäre bewegt. Da aber die wenigsten wirklich etwas zu den Demonstrationen in Kairo und anderen Städten beitragen, kritisiert man wenigstens alles darum herum. Zum Beispiel die Medien, die so genannt "traditionellen". So zwitscherte es bereits am Freitag Nachmittag, dass SF" weiterhin Kinderstunde bringe, anstatt, wie Al Jazeera, die Life-Bilder aus Kairo. Für mich ein echtes Kopfschüttelproblem, denn was bringt es uns, die Menschenmassen in den Strassen von Kairo herumrennen zu sehen. Abgesehen davon, dass jeder von uns ja selbst fähig ist, auf Al Jazeera, Euronews oder CNN umzuschalten. Dass ntv und N24 in dieser Hinsicht nichts Wert sind, ist zwar bedauerlich, aber nicht Fehler der SRG. 
Weiter behauptete ein Blogger, unsere Medien berichteten nicht über alles, z.B. dass die Regierung Mubarak Al Jazeera (schon wieder) abgestellt habe. Nur hatte ich dies schon Stunden vorher in den DRS-Nachrichten gehört. Es herrscht leider bei vielen Bloggern und Twitterern die Meinung vor, das Geschwindigkeit das alleinige Qualitätsmerkmal sei. 
Etwas weniger aufgeregt, aber in meinen Augen nicht viel besser ist die Variante, wenn ein Blogger, nach einem einleitenden Satz, einen Artikel aus New York Times oder Guardian kopiert. Da könnte man genau so gut einen Link setzen, was auch nicht viel mehr Leistung beinhaltet.
Aber genug kritisiert, jetzt wird gelobt. Zwei Blogger aus meiner Blogroll haben sich die Mühe genommen, zum Thema Aegypten Interviews durchzuführen. Titus hat in seiner Augenreiberei den ehemaligen Nahostkorrespondenten von Radio DRS, André Marty, befragt. Dieses interessante Interview steht hier. Verbindung ins Zentrum des Sturms konnte der deutsche Blogger Philibuster herstellen. Er konnte mit einem Betreuer einer oppositionellen Facebookseite ein Gespräch führen.
Das sind Eigenleistungen! Wer so bloggt, wie Titus und Philibuster darf auch die Profi-Kollegen kritisieren. Solche Blogs lese ich gerne!

Sonntag, 30. Januar 2011

Samstagnacht

Oder erst mal Abend. Ich gestehe, ich bin ein Fan von Jürgen von der Lippe. Dem war am Samstag Abend eine Sendung in SWR-Fernsehen gewidmet und ich schaute sie natürlich. Auf die Frage nach seinen Vorbildern, nannte er Ulrich Roski. Ja, den kenne ich doch, aber lang ist's her. Er lebt nicht mehr, muss ich auf seiner Homepage erfahren. Grund genug, auf ihn hinzuweisen. Hier einige Videos.
Relativ früh ging ich ins Bett, mit dem Resultat, dass ich um zwei wieder wach war. Hellwach sogar, so dass ich mir die Zeit mit Tee trinken und etwas aufräumen vertrieb. Es wurde fast vier, bis ich mich wieder müde genug fühlte, ins Bett zu gehen. Aus lauter Wut, über die Wachzeit, hätte ich am liebsten mit Staub saugen begonnen. Aber die Nachbarn wecken wollte ich nicht.
Heute am Sonntag Zvieri-Bier: Die Nachbarn aus Horgen haben eine Harasse aus Wädenswil mitgebracht. Fünf Sorten galt es zu degustieren. Hierbei kamen wir auch auf die vergangene Nacht zu reden und es erwies sich, dass alle zwischen zwei und vier wach waren. Ich hätte also bequem Staubsaugen können.
Diesen Morgengruss werde ich in dieser Arbeitswoche nicht geniessen. Erstens ist Neumond und zweitens werde ich wieder eine halbe Stunde früher zur Arbeit gehen. Bis jetzt fuhr ich um sieben, aber da ist in unserem Tal Rush-Hour. Darum fahre ich lieber früher und muss dafür am Abend auch nicht kurz vor Ladenschluss noch ins Migros rennen. In zwei Wochen, reicht es vielleicht wieder für dieses Panorama.

Freitag, 28. Januar 2011

Zettel ausgefüllt

Bei der Fahrt zum Stammtisch gibt es noch einen Kurzhalt beim Gemeindehaus zum Einwerfen des Stimmmaterials. Ausgefüllt habe ich die Zettel so, wie man es von einem Linken erwartet. Auch bei der Ständeratswahl. Diese, so nehme ich stark an, wird noch nicht am 13. Februar entschieden sein. Die aktuellen Umfragen zeigen das, was ich und wahrscheinlich die meisten annehmen: Amstutz und Wyss nahe beieinander. Spannend ist erst der zweite Wahlgang. Auch darum weil, in meinen Augen, die Anhänger von Markwalder und Jost zu heterogen sind, dass man sagen könnte, wer wohin wechselt, oder es sein lässt. Wie immer gilt: Wir werden sehen!
Noch zur Waffeninitiative: Unsere Exilanten in Berlin dürften diesmal Ruhe haben. Diese Initiative ist nicht so wichtig, dass die deutschen Medien darüber gross berichten werden.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Das tägliche Hin und Her

Da wurde ja kräftig auf Bundesrätin Leuthard herumgehackt, als sie eine Verteuerung des Verkehrs, vor allem des Pendelverkehrs, forderte. Nicht zuletzt, weil sie noch als Wirtschaftsministerin Flexibilität von den Arbeitern forderte und lange Arbeitswege für zumutbar erklärte. Ich finde es nicht so dramatisch, wenn sie nach dem Departementswechsel vermeintlich in die Gegenrichtung argumentiert. Wenn ein Fussballer den Verein wechselt, bejubeln die Fans ja auch jemanden, den sie in der vergangenen Saison noch verflucht haben - oder umgekehrt. Jetzt hat Frau Leuthard also den Verkehrsministerinnenhut an und sagt uns etwas, was wir nicht gerne hören: Wir haben zuviel Verkehr! Oder anders gesagt, die Kapazitäten werden knapp. Wenn sie also vorschlägt, die Mobilität zu verteuern, zumindest zu bestimmten Zeiten, entspricht das durchaus dem System der Marktwirtschaft: Wenn die Nachfrage grösser ist, als das Angebot, steigt der Preis, bis es wieder stimmt.

Viele sagen jetzt, sie hätten keine andere Wahl, als jeden Tag zu einer bestimmten Zeit zur Arbeit zu fahren. Auch ich sage das. Aber manchmal denke ich - was mache ich eigentlich anderes als, den einen Computer auszuschalten und den anderen einschalten - nur, dass ich dazwischen noch 50 Kilometer zurücklegen muss. Warum nicht am einen Computer sitzen bleiben und (mehrheitlich) zuhause arbeiten? 95% meiner Arbeitszeit sitze ich im Büro ohne mit jemandem zu sprechen. Auch Kollegen zwei Büros weiter rufen eher an, als persönlich vorbei zu kommen. Aufträge kommen sowieso per Mail. Warum also jeden Tag physisch anwesend sein?
Klar, manche möchten gar nicht zuhause arbeiten, wegen der Störungen. Aber auch hier gäbe es noch Möglichkeiten, die den Pendelverkehr reduzieren können. Gerade grosse Firmen haben in fast jeder grösseren Stadt ein Verwaltungsgebäude. Die Banken, die Versicherungen, die Post etc. Warum arbeitet nicht jeder Angestellte in dem Gebäude, dass ihm am nächsten ist? Einmal in der Woche reist man zur Abteilungssitzung oder sogar seltener. Aber auch reine Arbeitszentren könnte man schaffen, wo Leute aus total verschiedenen Branchen nebeneinander arbeiten. Man hätte vielleicht auch interessantere Themen in der Kaffeepause...
All das geht auch nur mit Flexibilität - von beiden Seiten, resp. von allen: Arbeitern, Unternehmern, Administration, Politik.

Montag, 24. Januar 2011

Pieps um Pieps

Seit eineinhalb Jahren bin ich fröhlicher Twitterer. Kein fleissiger allerdings, bin ich doch erst bei gut 2000 Tweets angelangt. Aber das entspricht auch meinem Verhalten bei 'normalen' Gesprächen. So bin ich eher der Zuhörer oder, in diesem Falle, Mitleser und mische mich nur selten ein.
Die Sache ist auch symmetrisch, d.h. einer der sich nicht viel einmischt, bekommt auch selbst eher wenig Antworten auf Tweets. Es sei denn, er präsentiere dem Twittervolk ein spektakuläres Bild, wie hier. Da meldeten sich gleich drei Twitterer - interessanterweise drei recht verschiedene, denen ich auch gerne folge. Das Messer habe ich übrigens für Zucchetti und Aubergine verwendet.
Den drei genannten werde ich auch weiterhin folgen, bei anderen bin ich mir nicht so sicher. D.h., bei einigen habe ich wieder den "Unfollow"-Knopf gedrückt. Weil sie wenig sagen und das wenige mich nicht interessiert, oder auch weil sie viel sagen, was mich nicht interessiert. Eigentlich mach ich das ungern, aber, wie ich schon früher gesagt habe, es ist wie bei einem Stehapéro: Man bleibt bei einer Gruppe stehen, hört zu und geht wieder weiter.
Was mir noch etwas fehlt, in meiner Twitter-Timeline, sind Leute meines Alters. Entweder habe ich noch nicht genügend gesucht, oder... meine 50-er-Generation ist wirklich schwach vertreten. Sie sind nicht mit dem Internet und seinen Möglichkeiten aufgewachsen, sind aber auch noch nicht alt genug, um sich jetzt als Pensionäre in diese neue Welt zu stürzen. Aber vielleicht geht es nicht mehr lange und ich kann  schon bald vermehrt mit Gleichaltrigen twittern.

Sonntag, 23. Januar 2011

Es geht um die Wurst

Es war wieder so weit. In Traubentrester gedünstete Saucisson, beim Servieren mit Marc überschüttet und flambiert - das ist Treberwurst. Gestern waren wir wieder in Einigen, wo der Gesangsverein unseres Seniorbierfreundes dieses Treberwurstessen jeden Januar veranstaltet. Drei solche Teller habe ich mir gegönnt und mir vorgenommen, am Sonntag nichts zu essen. Das habe ich natürlich nicht eingehalten, aber immerhin mit einer grossen Portion Salat die Ballaststoffe nachgeliefert, die gestern gefehlt haben.
Als ich heute Morgen mit noch vollem Magen aufstehe, stellt der Heer von Gunten auf DRS3 gerade einen Berner Rapper vor. Beim Stichwort Rap schalte ich normalerweise sofort um, diesmal lohnte es sich aber, dabei zu bleiben. Es handelte sich um Tommy Vercetti. Leider nuschelt der Mann ziemlich, aber was ich verstand, tönte gut. Konsumkritik ist zwar nichts neues, auch nicht ein Refrain, in dem der Sänger lieber an der Aare spaziert oder den ganzen Tag im Bett bleibt, anstatt Karriere zu machen. Einige Zeilen liessen mich aufhorchen. Er lese lieber ein Buch, sagt er. Das habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch nie gehört. Da kann man ja nur alle Lehrer auffordern, ihren Schülern das Stück 'Eifach so' von Tommy Vercetti vorzuspielen.
Zum Schluss noch ein garstiges Lied. So sind politische Lieder ja, wie wir seit Goethe wissen. Am Freitag wurde der Herr Fehr in Zürich von Vermummten verprügelt. Ich mag diese Leute nicht "Autonome" nennen, denn wer autonom, sprich selbständig ist, lässt sich nicht von der Gewalt treiben. Ueberfallen werden ist eine schwere psychische Belastung, sagen die Psycho-Experten, die jetzt überall interviewt werden. Das geht Herrn Fehr sicher auch so, aber er ist auch ein Politikprofi und hat sich sofort allen Medien mit seinem Erlebnis und seinen Verletzungen präsentiert. Etwas zynisch könnte man sagen: weh tut es ihm sowieso, also wollte er die Schmerzen wenigstens in politische Sympathie und Wählerstimmen umwandeln. Das dürfte auch so funktionieren, denn für alle Parteien gilt, der beste Wahlhelfer ist die Dummheit der Gegner.

Freitag, 21. Januar 2011

Das zweite Bier

Es war genau gleich wie hier. Nur beim Rezept gab es ein paar kleine Aenderungen. Das neue Bier ist ein Red Ale, d.h. es enthält etwas stärker gerösteten Malz und hat tatsächlich einen rot-braunen Ton. Das erste Bier war auch rötlich, aber das kam von den Orangenzesten, die auch geschmacklich dominierten. Der heutige Sud enthält keine Gewürze und würde so dem deutschen Reinheitsgebot entsprechen. Es ist quasi das andere Extrem zu dem, was schliesslich als mein Arkturus-Bier in die Geschichte eingehen soll. Zumindest in meine Geschichte. Beim dritten Sud werde ich entscheiden, ob und wieviel Gewürz dieses Bier in Zukunft enthalten soll. Aber in Stein gemeisselt wird das Rezept nie sein. Das Bier soll sich mit seinem Produzenten und seinen Konsumenten entwickeln. Das unterscheidet es von einem Industrieprodukt.
Jetzt mal sechs Wochen Geduld und dann: Prost!

Donnerstag, 20. Januar 2011

Freitagsprogramm

Das sieht etwa so aus:

07:29 Brauwasser aufsetzen, 12l auf 45 Grad
07:50 Schüttung - 1. Eiweissrast (10 min) auf 45 Grad
08:00 Aufheizen auf 53 Grad
08:14 2. Eiweissrast (10 min)
08:24 Aufheizen auf 62 Grad
08:33 Verzuckerungsrast (30 min)
09:03 Aufheizen auf 73 Grad
09:52 Maische ruhen lassen
10:14 Vorschiessen
10:17 Anschwänzwasser vorbereiten
10:30 Vorderwürze
10:32 Abläutern mit Sprinkler, Würzpfanne auf 78 Grad
wenn der Sprinkler läuft, wärme ich mir ein paar Weisswürste, die ich dann mit einer Brezen und einem Bier geniesse. 
12:02 Kochen
13:11 1. Hopfengabe (40 min)
13:51 2. Hopfengabe (20 min)
14:11 Ende Kochen
14:56 Hefe ansetzen
15:03 Würze ausschlagen
15:17 Würze kühlen
16:47 Würze umschütten ins Gärfass

Das Gärfass wird noch zugedeckt und die Sache darf sieben Tage vor sich her blubbern. Am Abend ist noch unser Stammtisch und ich darf die anderen Bierfreunde bereits auf mein nächstes Bier gluschtig machen.