Freitag, 30. September 2011

Das Semikolon des Grauens

Das Semikolon, auch Strichpunkt genannt, hat mehr Macht als man denkt. Diese zum Beispiel, einem den Ferienbeginn hinauszuzögern. Die ganze Woche lang haben wir versucht, unsere neue Kreditkartenverarbeitung zum laufen zu bringen. Immer war noch ein Detail falsch. Aber gestern, da waren wir so gut wie sicher: Jetzt funktioniert es!
Doch es erwies sich, dass noch ein pièce de résistance verblieben war, eben ein Semikolon. Eigentlich ist es durchaus der Sinn einer csv-Datei - comma separated value, heisst das -  Strichpunkte zu enthalten. Das Programm, das bei unseren Kollegen in Deutschland sitzt, ist aber so gebaut, dass es jeweils ein Semikolon zwischen einzelnen Werten erwartet, nicht hingegen am Schluss. Und genau dieses Abschluss-Semikolon, wie ich es in solchen Fällen immer setze, verhinderte die weitere Verarbeitung.
So erhielt ich heute Mittag einen Anruf von meinem Chef, um mir das Problem zu erklären. Da ich mit Kollegen im Breitenrain war, war es für mich am einfachsten, nach dem Essen noch schnell ins Büro zu fahren und mein Programm zu ändern. Wie unser Zeiterfassungssystem mit einer Präsenzzeit von acht Minuten umgeht, sei anderer Leute Problem. Wenn nur unser Kassiersystem in Zukunft richtig läuft.
Und jetzt habe ich definitiv Ferien!

Donnerstag, 29. September 2011

Telefonhörerdesinfizierer

Am Montag Abend habe ich die Musik gehört, über die ich gestern den Artikel veröffentlicht habe. Als letztes, als fünfundzwanzigstes Lied, lief "Nie met Aljebra" von Wolfgang Nidecken. Über dieses Lied habe ich eine Geschichte. Und eine Geschichte zur Geschichte dazu.
In "Per Anhalter durch die Galaxis" treffen die Hauptpersonen auf ein gestrandetes Raumschiff mit Leuten diverser Berufsgruppen, u.a. den Telefondesinfizierern. Sie wurden auf ihrem Heimatplaneten weggeschickt, weil man sie für unnütz hielt. Der Witz der Sache war, dass die Bevölkerung dieses Planeten kurz darauf Opfer einer Seuche wurde, die sich über infizierte Telefone verbreitete. Mehr dazu hier in einem Wikipedia-Artikel.
Jetzt aber zur eigentlichen Geschichte. Ich sass am frühen Morgen noch alleine im Büro und hatte das Radio angestellt. Da lief eben der Titel "Nie met Aljebra". Ich verfiel kurz in einen Tagtraum, als jemand ins Büro eintrat. "Entschuldigung, habe ich Sie geweckt?" - fragte die ältere Dame. Es war die Telefondesinfiziererin. "Nein", sagte ich, "ich höre dem Lied zu". Und weil ältere Damen junge, verträumte Männer mögen, hatte sie volles Verständnis und ging an ihre Arbeit.

Mittwoch, 28. September 2011

Play it again, iTunes

Gutes soll man ab und zu wiederholen, nicht wahr? So wiederhole ich eine Aktion, die ich vor gut eineinhalb Jahren mal durchführte. Es geht darum, Musik aus der eigenen Sammlung zufällig abzuspielen und die ersten 25 Titel hier aufzulisten. Was das letzte Mal herausgekommen ist, findet man hier. Wieder zensuriere ich nichts, streiche lediglich einen Titel, wenn dasselbe Album ein zweites Mal drankommt. Et voilà:

1. Gipsy Kings - La quiero
2. Plüsch - Isch es wäge mir?
2. Umberto Tozzi & Raf - Gente di Mare
4. Marquess - Ciao Ragazzi
5. Nordman - Nordman
6. The Wings - Mull of Kintyre
7. Patricia Lavila - L'Amour est toujours en Vacances
8. Secret Garden - Nocturne
9. Zucchero - Iruben Me
10. ABBA - On and On and On
11. Scream - Churzschluss
12. Gustav - Est-ce que tu veux pas?
13. Antonello Venditi - Se l'Amore è Amore
14. Glenn of Guiness - In our Country
15. Agnetha Fältskog - Man
16. Celia Cruz - De la Habana hasta aqui
17. Jonatan Cerrada - A chacque pas
18. Juanes - Qué pasa?
19. Roxette - Knockin' on every Door
20. Tracey Ullman - Terry
21. Rään - Ene mene mo
22. Natacha - Summernacht
23. Swing out Sister - Everyday Crime
24. Le beau Lac de Bâle - Draculade sous les Embruns
25. Wolfgang Nidecken - Nie met Aljebra

Alle Interpreten sind auf ihre Homepage oder einen Wikipedia Artikel verlinkt, die Liedtitel auf ein Youtube Video, soweit vorhanden. Die CDs existieren übrigens alle auch in echt. Ich bewahre sie in solchen Boxen mit Hängeregister auf:

Montag, 26. September 2011

Ein bisschen Nebel gehört dazu

...wenn man im Herbst ins Seeland reist. Zwar begann der Jahresausflug unserer Biervereins in Biel noch bei Sonnenschein, aber bald fuhren wir in eine Nebelwand. Gleich erinnerte ich mich einen trashigen Gruselfilm namens "The Fog", wo verwunschene Piraten im Schutze eines dichten Nebels die Küstenbewohner meucheln.

Nach meucheln zumute war es auch A., dem Swisscom-Angestellten, als er sah, dass wir ein Orange-Schiff bestiegen. Aber wir überlebten alle das eine wie das andere und stiegen nach zwei Stunden in La Sauge im Broye-Kanal aus. La Sauge ist ein Teil des Naturschutzgebietes am südlichen Ufer des Neuenburger Sees und dazu eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete der Schweiz. Die Vögel liessen sich allerdings entschuldigen - diejenigen, die südwärts ziehen, waren schon weg, jene, die von Norden kommen, noch nicht da. Dafür konnten wir noch erfahren, dass in La Sauge auch die einzige heimische Schildkröte gepflegt - respektive, wiederangesiedelt wird.
Pünktlich zu dem Moment, als Wandern angesagt war, stellte sich auch Sonne und blauer Himmel ein. Ein Bierklub hat natürlich immer einen Brauerei als Ziel. Diesmal handelte es sich um die Brasserie Haldemann in Sugiez. Eine knapp zweistündige Wanderung war ideal um genügend Durst zu kriegen. Brauer Freddy Haldemann stellt in einem öffentlichen Zivilschutzkeller fünf Sorten Bier her und keines wurde ausgelassen. Nicht jeder trank jedes, aber fast. A propos "öffentlicher Zivilschutzkeller". Dieser müsste im Ernstfall innert 24 Stunden geräumt werden, was Freddy nur ungern täte, hat aber Toiletten, was bei einer Brauerei nicht unwesentlich ist.
Ebensolche hat der Moosrugger - die Biel-Täuffelen-Ins-Bahn - nicht und so galt es auf dem Weg nach Nidau Ruhe zu bewahren, zumal wir wegen Bauarbeiten noch einen Streckenunterbruch zu Fuss bewältigen mussten. In der Lago Lodge war aber wieder alles gut und fröhlich konnte Essen und Bier bestellt werden. Für mich ein Hanfbier, eine Kalbshaxe und danach ein - nein - einen Früchtetee. Es gibt Momente, da muss man auf seinen Magen hören.
Ein toller Tag. Ich bedaure alle, die nicht dabei waren. Quatsch! Ich bedaure niemanden. Selber schuld!

Sonntag, 25. September 2011

Wahlplakate (III)

Für dieses Motiv brauchte ich nicht einmal ein Plakat zu fotografieren. Das Vereinsheft von RadioBeO aufzuschlagen genügte. Auf der einen Seite posieren Radiomoderatoren mit eingeladenen Musikern, auf der anderen Seite lächelt Ständeratskandidat Hans Stöckli. Die SP ist mit einem weiteren ganzseitigen Inserat von Matthias Aebischer sogar die stärkste Inserentin in diesem Heft. Weiter sind auch SVP, BDP, FDP, EVP und EDU vertreten.

Ueber den Slogan "Hans ins Stöckli" wurde schon im Kommentar zu meinem ersten Wahlplakate-Artikel gelästert. Man kann sich durchaus fragen, ob Wortspiele mit Namen - ausserdem mit dem altertümlichen Spitznamen des Ständerates - sinnvoll sind. Ansonsten posiert H.S. ganz konventionell, was der Sache wohl auch angepasst ist. Ich muss natürlich zugeben, dass ich als Ex-Bieler gegenüber diesem ebenfalls Ex, nämlich Ex-Stadtpräsidenten von Biel, befangen bin. Auch der unmöglichste Slogan würde mich nicht davon abhalten, ihm meine Stimme zu geben.
Nächste Woche gehe ich wieder auf die Pirsch nach Plakaten, die ich besprechen könnte. Es geht mir dabei - nicht nur bei meinen Favoriten, sondern auch bei allen anderen - nicht darum, sie in die Pfanne zu hauen, sondern einfach darum, von meinen Gedanken und Assoziationen beim Betrachten zu erzählen.

Samstag, 24. September 2011

Wahlplakate (II)

Sein Name ist Näf, Roland Näf. Sein Plakat hat es bereits in den Blick am Abend gebracht, allerdings in der Rubrik "nutzlose Showeinlagen". Dabei ist die Pose durchaus markant. Besonders gefällt mir, dass er die rote Rose, die die SP gegen einen schnöden Würfel eingetauscht hat, hoch hält.
R.N. bleibt auch bei seinem Wahlslogan bei James Bond. Aus dem Titel des Films "Im Dienste Ihrer Majestät", der bekanntlich auch auf dem Schilthorn spielt, wird "Im Dienste aller statt seiner Majestät". Wenn ich mich nicht irre, irrt der Berner SP-Präsident hier. In Monarchien heisst, der Majestät dienen, nicht Diener der Person, die auf dem Thron sitzt, zu sein. Die Majestät steht als Symbol für das ganze Land und das ganze Volk. Auch James Bond dient allen, nicht nur der Königin. Da wir aber keine Monarchie sind, ist dies Erörterung sowieso obsolet.
Ob R.N. auch Chancen auf einen Thron, pardon, einen Sitz im Nationalrat hat, kann ich nicht sagen. Auch noch nicht, ob ich ihn wählen werde. Immerhin ist er gleich alt wie ich, ist Sekundarlehrer und ihm liegt, wie auch mir, die Bildung am Herzen.

Freitag, 23. September 2011

Wahlplakate (I)

Es gibt Walbeobachtung und Wahlbeobachtung. Ich hingegen starte hier eine lockere Serie von Wahlplakatbeobachtung. Den Anfang mache ich mit einem jungen Mann, der nicht in Gefahr läuft, auf meinem Wahlzettel zu fungieren - auch seine Partei nicht. Aber das Plakat ist interessant.
Christian Wasserfallen hat anscheinend eine Anleihe bei der Porträtmalerei gemacht. Schon die Römer liessen sich gerne auf einem Mosaik mit Gegenständen porträtieren, die ihre Person auszeichneten. Eine Schrifttafel, zum Beispiel, oder ein Handelsgut. C.W. hat sich für drei Gegenstände entschieden: Eine Energiesparlampe und zwei Bücher. Mit der Lampe, in der Parteifarbe blau, will er sich wohl als energiepolitischer Sprecher der FDP anbieten. Das Wörterbuch legt nahe, dass er auch französich parlieren kann - dann aber hoffentlich ohne Wörterbuch. Das interessanteste ist aber das andere Buch: "Mittelflussrechnung". Der C.W. ist zwar Ingenieur, aber dieses Buch handelt nicht von Wasser oder Strom, sondern - schliesslich ist er ein Freisinniger - von Geldfluss.
Auf französisch heisst Mittelflussrechnung (gemäss Wikipedia) "tableau de financement", doch darüber wird C.W. wohl weiterhin im Nationalrat referieren. Für einen Sitz im Ständerat hätte er nur eine Chance, wenn sich die FDP der Mehrheitspartei unterworfen hätte.

Dienstag, 20. September 2011

Die neue Identität

In den nächsten Tagen bekomme ich also eine neue Identität. Oder zumindest eine neue Identitätskarte. Mit neuem Foto. Das ist gut, denn das alte war schlecht. Nicht so schlecht, wie es Passfotos sowieso sind, sondern wirklich schlecht. Zum Photographieren, dem Erfassen der Unterschrift und dem Abchecken der Personalien musste ich auf dem Amt erscheinen. Fingerabdrücke wurden keine genommen, das braucht es wirklich nur für den Pass. Die neue ID dürfte gerade rechtzeitig eintreffen, damit ich in meinen Herbstferien die Grenzen unseres kleinen Landes ohne schlechtes Gewissen überschreiten kann.